Camping Hobby 3, Unterseen bei Interlaken, Schweiz

Dass Tiere auf dem Camping Hobby einen hohen Stellenwert haben, wird dem aufmerksamen Campinggast bereits bei der Einfahrt auf den sehr gepflegten, idyllisch im Grünen gelegenen Campingplatz bewusst: Liebevoll selbstgebastelte Schilder warnen vor potentiellem Querverkehr auf vier Pfoten. Je nach Jahreszeit tummeln sich ganze Vogelscharen laut zankend um die eigens für sie ausgelegten Leckereien, argwöhnisch beäugt von Katzen Züseli, Peppi und Züsibüsi. Noch bis vor wenigen Jahren wachte Schäferhundrüde Tiger über das Geschehen auf dem Platz. Ein Bild in der Informationsvitrine an der Rezeption erinnert noch heute an den Wachhund mit einer Schwäche für Käse.

«Ich habe das Bild bewusst hängen lassen, zu abschreckenden Zwecken», erzählt Platzinhaberin Heid Blatter augenzwinkernd. Sie führt den Camping Hobby in zweiter Generation bereits seit mehr als 40 Jahren. Es war ihre Mutter Lily, die in den 50er Jahren – bewaffnet mit einer grossen Portion Pioniergeist und der Hoffnung, nebenbei ein paar Franken extra zu verdienen, um die Grossfamilie satt zu bekommen – mitten auf der grünen Wiese einen Campingplatz eröffnete. Da sie das Ganze als Hobby betrachtete, nannte sie den Platz kurzerhand «Hobby».

Damals suchten sich die meist britischen, holländischen oder französischen Gäste einfach ein freies Fleckchen auf der Wiese. Parzellen gab es noch nicht. Die Zelte hatten noch keine Reissverschlüsse, sondern mussten mit Bändchen geschlossen und manchmal mühsam wieder aufgeknotet werden. Alle Camper teilten sich einen Wasserhahn und eine Toilette. Das Campingleben war einfach, aber ein bezahlbares Ferienerlebnis für die ganze Familie.

Die Zeiten von Wassereimer und Warteschlange vor der Toilette sind längst vorbei. Heute präsentiert sich die Wiese von einst als moderner und sehr gepflegter 4-Stern Campingplatz, auf dem sich Gäste aus aller Welt mit Zelt oder Reisemobil gleichermassen wohlfühlen. Geblieben ist die einmalige Aussicht auf Eiger und Mönch. Und die Herzlichkeit der Gastgeberinnen. Während sich Pionierin und «Camping-Grosi» Lily altersbedingt inzwischen hinter die Kulissen zurückgezogen hat (wo sie nicht selten mit einer ganzen Schar Gästekinder Kuchen oder Kekse bäckt), ist Tochter Heidi von April bis Ende September an der Front im Einsatz für das Gästewohl. Mit Strohhut und wehendem Rock radelt sie über den Platz, beantwortet hier eine Gästefrage oder sorgt da mit sympathischer Strenge für die Einhaltung der Nachtruhe. «Meine Gäste schätzen die ruhige Lage und die traumhafte Aussicht in die Berge,» schwärmt sie, «Deshalb kommen viele inzwischen mit ihren Enkelkindern.»

Eigentlich wäre auch sie schon im Pensionsalter. Aber von Aufhören möchte sie nichts wissen. Allein zu Weihnachten werden hingebungsvoll und komplett analog Hunderte von Weihnachtskarten an die Stammgäste geschrieben. «Soll ich den ganzen Tag nur rumsitzen? Ein Leben ohne meine Gäste? Kommt gar nicht in Fragel!»